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22.10.2017

Glossar

Folgende Begriffe werden erklärt:

- Aktive Sterbehilfe
- Passive Sterbehilfe
- Sterbebegleitung
- Patientenverfügung
- Vorsorge-Vollmacht
- Betreuungsverfügung

Hospizeinrichtungen:

- Stationäres Hospiz
- Tageshospiz
- Ambulante Hospizdienste

- Palliativstation
- Palliativmedizin
- Schmerztherapie
- Lebensqualität
- Selbstbestimmungsrecht

Aktive Sterbehilfe:
"Aktive Sterbehilfe" und "Passive Sterbehilfe" müssen deutlich voneinander unterschieden werden. "Aktive Sterbehilfe" meint die gezielte Tötung eines Menschen, z.B. durch die Verabreichung eines den Tod herbeiführenden Präparates (z.B. Tablette, Spritze, Infusion). Sie ist in Deutschland gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt, und zwar auch dann, wenn sie mit ausdrücklicher Zustimmung des Patienten oder der Patientin erfolgt. "Aktive Sterbehilfe" ist mit den Grundsätzen der Hospizbewegung nicht vereinbar.

Passive Sterbehilfe:
Die "passive" Sterbehilfe meint das Unterlassen oder Beenden lebensverlängernder Maßnahmen bei unheilbar kranken Menschen, die sich im Sterben befinden. "Passive" Sterbehilfe setzt das Einverständnis des sterbenden Menschen voraus und ist rechtlich und ethisch zulässig.

Sterbebegleitung:
Sterbebegleitung meint in erster Linie die mitmenschliche und seelsorgliche Unterstützung eines schwerkranken und sterbenden Menschen. Ihr Ziel ist es, den Menschen in der letzten Phase seines Lebens ganzheitlich zu betreuen und dafür zu sorgen, dass alle menschlichen Bedürfnisse, die körperlichen, psychischen, sozialen und religiösen Wünsche berücksichtigt werden, um "menschenwürdiges" Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Der Begriff der "Sterbehilfe" wird in diesem Zusammenhang vermieden, da er vieldeutig ist und zu Missverständnissen Anlass gibt. "Sterbebegleitung" bietet Hilfe im oder beim Sterben. "Sterbehilfe" wird häufig als Hilfe zum Sterben (im Sinne der sog. "aktiven Sterbehilfe") verstanden.

Patientenverfügung:
Die Patientenverfügung ist eine Vorausverfügung in medizinischen Fragen, die nur für den Fall gilt, dass der Unterzeichner oder die Unterzeichnerin selber entscheidungsunfähig ist. Diese Verfügung kann jederzeit widerrufen oder abgeändert werden. Das Formulieren einer Patientenverfügung setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben und der medizinischen Realität voraus. In einer Patientenverfügung wird zum Ausdruck gebracht, dass in bestimmten Krankheitssituationen keine Behandlung mehr gewünscht wird, wenn dies letztlich nur dazu dient, das ohnehin bald zu Ende gehende Leben künstlich zu verlängern. Eine Patientenverfügung wird bedeutsam bei Patienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind und selber nicht mehr einwilligungsfähig sind, und wenn sich die Frage stellt, ob auf eine mögliche Behandlung verzichtet oder eine begonnene Behandlung beendet werden soll. In einer solchen Situation ist die Patientenverfügung für den Arzt oder die Ärztin ein wichtiges Indiz für den mutmaßlichen Willen des Patienten oder die Patientin.

Vorsorge-Vollmacht:
Durch eine Vorsorge-Vollmacht kann einer vertrauenswürdigen Person vorsorglich die Vollmacht erteilt werden zur Erledigung bestimmter persönlicher Angelegenheiten. Die bevollmächtigt Person kann z.B. im Fall eigener Entscheidungsunfähigkeit stellvertretend mit dem Arzt Entscheidungen treffen. Es ist empfehlenswert, mit einer Patientenverfügung eine Vorsorgevollmacht zu verbinden. Die bevollmächtigte Person ist an die Patientenverfügung gebunden. Es ist sinnvoll mit dem oder den Menschen zu sprechen, die als Bevollmächtigte in Gesundheitsfragen eingesetzt werden sollen, damit der Beauftragte die Interessen und Vorstellungen des Beauftragenden genau kennt. Es können sowohl Angehörige (Ehepartner, Kinder, Geschwister) als auch Freunde und Freundinnen oder vertraute Bekannte beauftragt werden. Bevollmächtigte dürfen Entscheidungen, bei denen es um Leben oder Tod geht, nicht ohne eine vorhergehende Entscheidung des Vormundschaftsgerichts treffen.

Betreuungsverfügung:
In einer Betreuungsverfügung wird eine Vertrauensperson benannt für den Fall, dass der Unterzeichner oder die Unterzeichnerin unfähig ist, sich mitzuteilen. Diese Person wird bevollmächtigt, über bestimmte persönliche Angelegenheiten (finanzielle Fragen, Aufenthaltsbestimmung u.ä.) Entscheidungen zu treffen. Solch eine Vollmacht kann schriftlich oder vor einem Notar erteilt werden. So kann Einfluss darauf genommen werden, wer vom Vormundschaftsgericht bestellt wird, um persönliche Angelegenheiten als rechtlicher Betreuer oder rechtliche Betreuerin zu regeln. Diese Funktion wird also erst rechtsgültig mit der Bestellung durch das Vormundschaftsgericht.


Hospizeinrichtungen

Stationäres Hospiz:
Die stationäre Hospizarbeit begleitet umfassend schwerstkranke und sterbende Menschen, die keiner Krankenhausbehandlung mehr bedürfen, die keinen Altenheimplatz haben und für die eine ambulante Versorgung im Haushalt oder in der Familie nicht möglich ist. Stationäre Hospize bieten eine medizinisch-pflegerische, psychosoziale und seelsorgliche Begleitung der Kranken rund um die Uhr.

Tageshospiz:
Teilstationäre Hospizarbeit in einem "Tageshospiz" bietet eine Ergänzung zur ambulanten Hospizarbeit. Schwerstkranke können hier tagsüber Aufnahme finden. Durch zusätzliche Angebote wird der Gefahr sozialer Isolation entgegengewirkt. Auf diese Weise finden auch pflegende Angehörigen und Freunde Entlastung.

Ambulante Hospizdienste
Psychosozial tätige Hospizdienste:
Ehrenamtliche Hospizhelfer und -helferinnen begleiten schwerkranke und sterbende Menschen zu Hause, im Krankenhaus oder im Altenheim. Sie ermöglichen, dass die Familienangehörigen entlastet werden und der unheilbar kranke Mensch möglichst in seiner gewohnten Umgebung in Würde sterben kann. Sie tragen dazu bei, dass Sterben wieder in das Leben integriert wird und die Sterbenden und ihre Angehörigen nicht in Isolation geraten. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten eng mit den vorhandenen ambulanten Diensten zusammen, übernehmen selbst keine pflegerischen Aufgaben. Eine in der Regel hauptamtlich tätige Mitarbeiterin koordiniert und plant Einsatz, Beratung und Begleitung der Ehrenamtlichen.

Palliativ-pflegerische Hospizdienste:
Ambulante palliativ-pflegerische Hospizdienste bieten neben der psychosozialen Betreuung schwerstkranker Menschen palliativ-pflegerische Beratung und/oder Behandlung an. Sie tragen dazu bei, dass auch schwerstkranke (Tumor-)Patienten gut versorgt zu Hause sterben können. Hier arbeiten hauptamtliche Pflegekräfte und psychosoziale Fachkräfte, aber ebenso ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Palliativstation
Palliativstationen sind Abteilungen eines Krankenhauses. Sie versorgen Patienten, die eine palliativmedizinische und -pflegerische Versorgung benötigen. Ziel ist, diese Patienten weitestgehend von Schmerzen und anderen belastenden Krankheitssymptomen zu befreien. Der Leiter ist ein Arzt mit einschlägigen Erfahrungen und Kenntnissen in der Palliativmedizin. Das Pflegepersonal muss über Erfahrungen und Kenntnisse in der Palliativpflege verfügen. Ebenso wie bei der stationären Hospizarbeit ist in Palliativstationen eine Zusammenarbeit mit einem ambulanten Hospizdienst unerlässlich.

Palliativmedizin
Palliativmedizin ist die medizinische Behandlung von Patienten mit einer fortgeschrittenen, permanent fortschreitenden Erkrankung. Sie sorgt für Schmerzlinderung und Linderung anderer Krankheitssymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung. Während die kurative Medizin auf die Heilung des Patienten zielt, liegt der Schwerpunkt der Behandlung der Palliativmedizin darauf, ein möglichst hohes Maß an Lebensqualität zu erhalten gerade auch angesichts begrenzter Lebenserwartung.

Schmerztherapie:
Die größte Angst vieler Menschen angesichts des Sterbens ist die Angst vor Schmerzen. Menschen fühlen sich durch starke Schmerzen in ihrer Würde bedroht. Die Entwicklungen in der Medizin machen es heute möglich, dass unter Einsatz von Morphin über 90% aller schmerzkranken Menschen in der letzten Lebensphase Schmerzfreiheit oder zumindest erhebliche Schmerzlinderung erfahren können. Moderne Methoden der Schmerztherapie kommen dem Wunsch vieler Sterbenden entgegen, zu Hause sterben zu können. Die regelmäßige vorbeugende Gabe von Morphin (nicht "nach Bedarf") führt zur Entspannung des Patienten ohne bewusstlos oder bewusstseinsgestört zu sein. Er bleibt wach, kommunikations- und handlungsfähig. Eine umfassende Schmerztherapie beachtet neben den körperlichen auch die sozialen, psychischen und spirituellen Schmerzen.

Lebensqualität:
Was kann für einen Menschen angesichts des nahe bevorstehenden Todes Lebensqualität bedeuten? - Für einen unheilbar erkrankten Menschen, dessen Krankheit unaufhaltsam voranschreitet, steht nicht mehr die Dauer des Lebens im Vordergrund, sondern die Lebensqualität. Entscheidend ist in erster Linie, wie der Betroffene selbst zu seiner Situation steht, ob er sein Sterben annehmen kann und bereit ist - soweit es ihm möglich ist - die ihm verbleibende Zeit selbst aktiv mitzugestalten und am täglichen Leben teilzunehmen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, schmerzfrei zu sein oder relativ geringe Schmerzen zu haben. Sterbende brauchen Sicherheit durch eine vertraute Umgebung, was am ehesten zu Hause erlebt wird oder an einem Ort, der dem "Zuhause" nahe kommt. Lebensqualität erfährt der Patient durch Menschen, die ihm nahe stehen, ihm Achtung entgegenbringen und Zugehörigkeit erfahren lassen, seine Ängste und Hoffnungen mit ihm teilen. In Gesprächen können Angehörige und Freunde helfen, unrealistische Hoffnungen loszulassen, dafür berechtigte Hoffnungen zu wecken und zu stärken unter Berücksichtigung der begrenzten Lebenszeit. Denn ohne Hoffnung kann niemand leben, auch nicht im Sterben.

Selbstbestimmungsrecht:
Jeder Mensch hat das Recht auf Selbstbestimmung. Da menschliches Leben begrenzt ist, ist auch dieses Recht immer nur bedingt realisierbar. Niemand wünscht sich Krankheit oder Behinderung, dennoch stehen Menschen vor diesen Unwägbarkeiten des Lebens und müssen damit umgehen: Die Selbstbestimmung wird eingeschränkt, die Abhängigkeit von anderen Menschen nimmt zu. Gerade in solchen Situationen haben Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte die Aufgabe, die Autonomie des Kranken zu achten und ihn in seinen persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten zu unterstützen. Für die Durchführung oder Unterlassung einer medizinischen Behandlung ist die Entscheidung des Betroffenen maßgebend, solange er einwilligungsfähig ist. Wenn er nach angemessener Aufklärung seinen Willen äußert, sind Ärzte und Ärztinnen in ihren Therapiemaßnahmen daran gebunden. Das Selbstbestimmungsrecht umfasst die Möglichkeit einen Behandlungsbeginn oder Behandlungsabbruch zu veranlassen, aber auch Verfügungen zu treffen über zukünftige Situationen. Dies betrifft Lebenslagen des Patienten, in denen er nicht mehr einwilligungsfähig ist, weil er z.B. zu schwach, verwirrt oder bewusstlos ist. In diesen Situationen ist der mutmaßliche Wille des Patienten oder der Patientin ein wichtiger Orientierungspunkt für die Entscheidungen von Ärzten, Pflegekräften und Angehörigen. Bei der Ermittlung des mutmaßliche Willens spielt die Patientenverfügung eine wichtigen Rolle.


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